Ermunterung

35 Jahre liegen zurück, dass wir – einige Mütter und Väter – unsere Selbsthilfeinitiative gründeten. Nik, unser damals siebenjähriger Sohn, hielt meinen Mann und mich am Tage und auch in der Nacht in Atem. Unseren Mitstreiterinnen ging es ähnlich.

Nur durch partnerschaftliches Aufteilen der familiären Aufgaben für unsere drei Kinder wie auch unserer Berufstätigkeit (wir entschieden uns beide zur Teilzeitarbeit), sowie mit Hilfe eines durchorganisierten Familienalltags hatten wir die Nerven, Kraft und Zeit, die die Behörden und Paragrafen, die Organisation der Therapie und das Sammeln von Spenden erforderten.

Doch heute können wir sagen: Der gemeinsame Weg hat uns viel gegeben. Und nicht nur für unsere eigenen Kinder, für viele Familien haben wir mit dem Autismus-Therapie-Zentrum die Möglichkeit geschaffen, ein wenig mehr Normalität zurück zu gewinnen.

Unser Sohn lebt heute in Haus Burberg, dem Wohnheim, für das wir seit 1995 mit anderen aktiven Eltern unseres Vereins verantwortlich sind, um so auch für erwachsene Menschen mit Autismus eine dauerhafte Lebenspersektive zu schaffen.

Alle betroffenen Eltern möchte ich ermuntern, diesen Weg der Solidarität zu suchen. Dabei sind Menschen mit Autismus und ihre Angehörigen allerdings auf die gesellschaftliche Mitverantwortung angewiesen. Denn Autismus geht Alle an! Ich möchte deshalb Erzieherinnen, Lehrerinnen, Nachbarn, Verwandte usw. bitten: Presst autistische Menschen, die euch begegnen, nicht einfach in unsere Maßstäbe – eine Welt, die sich auch ihnen anpasst, ist für uns alle menschlicher und lebenswerter.

Dorothee Daun